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WeDO Pflege in Europa

In den vergangenen Jahren haben die Bekämpfung der Gewalt gegen ältere Menschen sowie die Verbesserung von Lebens- und Pflegequalität im Alter auf EU-Ebene an Bedeutung gewonnen. Die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von bedarfsorientierten, qualitativ hochwertigen Diensten im Bereich institutioneller und häuslicher Pflege werden dabei als Grundvoraussetzungen angesehen – gerade mit Blick auf die hohe Bedeutung, die dem Schutz der Würde und der Grundrechte älterer Menschen in der Europäische Charta der Grundrechte  und dem UN Madrid Action Plan on Ageing beigemessen wird.

Im Dezember 2010 wurde der „Freiwillige Europäische Qualitätsrahmen für soziale Dienstleistungen" vom Europäischen Rat angenommen. Er soll die Regierungen der Mitgliedsländer dabei unterstützen, spezifische Instrumente zur Definition, Messung und Bewertung der Qualität sozialer Dienstleistungen zu entwickeln.

Mit großer Mehrheit nahm das Europäische Parlament im September 2010 eine Resolution zur Langzeitpflege von älterer Menschen an. Die Europäische Kommission wird darin aufgefordert, ein Grünbuch über die Misshandlung von älteren Menschen und die Gewährleistung der Sicherheit von älteren Menschen in der Gesellschaft und in Pflegeheimen zu erstellen. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Patientenmobilität und dem Austausch der in den 27 Mitgliedsstaaten bereits existierenden guten Praktiken in der Langzeitpflege für ältere Menschen liegen. Liz Lynne, EU Parlamentsabgeordnete, äußerte in einem Interview mit der AGE Platform Europe im Dezember 2010 die Hoffnung, den Weg für eine EU-weite Charta oder eines Verhaltenskodexes zur Langzeitpflege zu ebnen, zu welchem sich die EU-Mitgliedstaaten durch Unterzeichnung verpflichten sollten.

Die Europäische Kommission konzentriert sich in der 2011 gegründeten „Europäischen Innovationspartnerschaft Aktivität und Gesundheit im Alter“ (*), die Teil der Leitinitiativen von „Europa 2020“ ist, auf drei Bereiche: Prävention und Gesundheitsförderung, Integrative Pflege und Unabhängiges Leben im Alter.

Das Jahr 2012 wurde zum „Europäischen Jahr des Aktiven Alterns und der So-lidarität zwischen den Generationen“ ausgerufen.

 

Weitere Maßnahmen der Europäischen Kommission

Bereits 2008 hat die Europäische Komission eine Konferenz mit dem Titel „Protecting the dignity of older persons – the prevention of elder abuse and neglect“ veranstaltet und damit für die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz der Würde und der Grundrechte älterer Menschen in Europa sensibilisiert.

Im Rahmen des EU Programms DAPHNE III wurde das transnationale Projekt EUSTACEA unter Federführung der AGE Platform Europe zur Entwicklung einer „Europäischen Charta der Rechte und Pflichten älterer hilfs- und pflegebedürftiger Menschen" gefördert.

 

Die Frage, wie qualitativ hochwertige und nachhaltige Langzeitpflege bereitgestellt werden kann, wird auf der EU-Ebene im Rahmen der „Offenen Methode der Koordinierung“ (OMK) in den Bereichen Sozialschutz und soziale Integration diskutiert. Im Bereich der OMK Langzeitpflege  liegt der Schwerpunkt auf den Aspekten Zugang, Qualität und Nachhaltigkeit.

Die „Förderung der Gesundheit in einem alternden Europa“ wurde zu einem der drei wichtigsten Ziele der EU-Gesundheitsstrategie „Gemeinsam für die Gesundheit“  erklärt. Eine 2011 beschlossene „Richtlinie über grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen“ soll eine hochwertige und effiziente grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung sicherstellen.

Im 7. EU Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung werden Forschungsprojekte gefördert, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität im Alter und Alterserkrankungen - wie die Alzheimer Erkrankung - beschäftigen.

Mit dem Programm Ambient Assisted Living (AAL) werden technische Entwicklungen unterstützt, die die Lebensqualität älterer Menschen durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien verbessern sollen.
EU Förderprogramme wie PROGRESS fördern Innovationen und das gegenseitige lernen auf lokaler Ebene. Auch der Europäische Sozialfonds kann zur Kofinanzierung von lokalen Maßnahmen genutzt werden. Bildungsprogramme wie LEONARDO unterstützen die Entwicklung von Qualitätsmanagementsystemen in der Pflege.

Neue Publikation: WISO Diskurs der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das deutsche Pflegesystem setzt stark auf die Arbeit von Familienangehörigen und informelle Arrangements. Die Beschäftigten werden schlecht bezahlt, die Qualität der Versorgung ist oft nicht ausreichend. Die Expertise wirft einen Blick auf die Pflegesysteme fünf nordischer Staaten und zeigt auf, warum man auf der „High Road“,– gemeint sind eine hohe Qualität der Versorgung, mit guten Arbeitsverhältnissen und eine leistungsfähige staatliche Infrastruktur –besser fährt.

Ein Vergleich zwischen fünf nordischen Ländern und Deutschland (Kurzfassung); Heintze, Cornelia, FES, 2012: "Auf der Highroad - der skandinavische Weg zu einem zeitgemäßen Pflegesystem".