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Fachtagung Kassel

Fit im Alter

"Im Alter In FORM - Potenziale in Kommunen aktivieren"

am 15. Februar 2018 in Kassel

 

DOKUMENTATION


BEGRÜßUNG UND EINFÜHRUNG

Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO)

Herr Müntefering heißt die teilnehmenden Gäste an der Tagung herzlich willkommen. Er erläutert, auf welche Weise die BAGSO im Sinne der über 100 Mitgliedsverbände die Interessen älterer Menschen bei den politisch Verantwortlichen und bei den entsprechenden Bundesministerien einbringt. So hat sie vor der Bundestagswahl im Jahre 2017 von allen Parteien – bis auf die AFD – Antworten auf ihre Wahlprüfsteine, d.h. zu allen seniorenpolitischen Themen erhalten. Sie sind auf der Internetseite der BAGSO veröffentlicht.

Eine zentrale Frage lautet nach Auffassung von Herrn Müntefering: „Wie können wir alle zu einem gesunden Alter beitragen?“ Hier ist, so Herr Müntefering, insbesondere die Kommune gefragt und alle, die in der Seniorenarbeit aktiv sind. Kurz skizziert er die künftige Bevölkerungsentwicklung: Heute haben wir in Deutschland ca. 730.000 Geburten pro Jahr, im Jahr 2030/2035 werden schätzungsweise nur noch 600.000 Kinder geboren, d. h. auf ein Kind, das in die Schule kommt, kommen dann zwei Menschen, die ins Rentenalter übergehen.

Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung - IN FORM - tut viel für ein gesundes Alter. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse kann auch jeder selbst viel für ein gesundes Älterwerden tun. Dafür müssen vor Ort die Voraussetzungen geschaffen werden und die Seniorenarbeit muss die Gesundheitsförderung in ihre Arbeit integrieren.

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Gesundheit älterer Menschen fördern – Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung, von ausreichend Bewegung und sozialer Teilhabe zur Erhaltung der Selbstständigkeit

Dr. Jürgen Sasse, Chefarzt des Zentrums für Geriatrie und Frührehabilitation, Klinik für Geriatrie, DRK-Kliniken Nordhessen

Herr Dr. Sasse stellt in seinem Vortrag umfassend die gesundheitspolitische Sicht des Alterns vor und leitet die damit zusammenhängenden Herausforderungen ab. Er beschreibt, was auch im sogenannten „Metallalter“ (silberne Haare, goldene Zähne, Blei in den Knochen) noch vielfältig präventiv zur Erhaltung der Selbstständigkeit getan werden kann. Die Inhalte sind in der Präsentation enthalten.

zum Vortrag von Dr. Sasse

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IN FORM DEUTSCHLANDS INITIATIVE FÜR GESUNDE ERNÄHRUNG UND MEHR BEWEGUNG

Gabriele Mertens-Zündorf, BAGSO-Projektteam

Frau Mertens-Zündorf stellt die Ziele und Maßnahmen von IN FORM Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung vor.

zum Vortrag

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Gestaltung der Versorgungsleistungen für Seniorinnen und Senioren – eine Herausforderung für Kommunen

Franz Müntefering, Vorsitzender der BAGSO

Zusammenfassung des Vortrags

Herr Müntefering weist auf die zentrale Bedeutung der Prävention im Alter hin. Wichtig sei, so betont er, die gewonnen 15 zusätzlichen Lebensjahre, die die Menschen heute gegenüber den 60er Jahren länger leben, gut zu gestalten.

Verbesserte Umweltbedingungen und der medizinische Fortschritt haben zu der immer noch steigenden Lebenserwartung geführt.

Prävention per Gesetz zu verordnen funktioniert nicht, sondern jeder einzelne kann und muss für seine Gesundheit etwas tun!

Der 7. Altenbericht hebt hier insbesondere die Verantwortung der Kommunen hervor. Dort leben die älteren Menschen und daher sollten Kommunen eine verbindliche Aufgabe zur Versorgung älterer Menschen bekommen. Die Aufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe sind gesetzlich geregelt. Für ältere Menschen gibt es ein solches Gesetz nicht und es bleiben nur die Regelungen der Daseinsvorsorge. Hier wünscht sich die BAGSO mehr Verbindlichkeit und einen Schritt in Richtung eines Altenhilfe-Sicherungsgesetztes. Gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Deutschen Landkreistag werden dazu Vorstellungen erörtert. Bislang gibt es auf Bundesebene keine Verpflichtung für die Einrichtung von Seniorenbeiräten.

Was müssen Kommunen dennoch jetzt schon machen? Sie müssen sorgen für

a)    Mobilität

Sie ist im Alter von erheblicher Bedeutung. Es bedarf hier zum einen Unterstützung/Beratung beim Ausbau barrierefreier oder -armer Wohnungen. Ausreichend Ärzte insbesondere auch in ländlichen Regionen sind anzusiedeln, und genügend öffentliche Toiletten werden benötigt. Durch fehlende Mobilität kommt es zur Veränderung bei der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse. Kann jemand nicht mehr Auto fahren, fehlt u.U. die Möglichkeit einzukaufen. Hier können Mittagstische für ältere Menschen Abhilfe schaffen, bei denen die Zeit des miteinander Essens und Redens gleichzeitig soziale Teilhabe ermöglicht. So weiß man z.B., dass Besucher der Tafeln auch häufig sich dort einfinden, nur um miteinander zu reden. Aber auch der Einzelne ist hier gefragt z.B. sturzgefährdende Teppiche zu entfernen und Sturzprophylaxe in jeder Hinsicht auch durch Training zu fördern.

b)    Zugehende Sozialarbeit
Hierzu gibt es ein schönes Beispiel in Bielefeld: Die „Freie Scholle“ eine Wohnbaugenossenschaft, die Wohn- und Altenberatung anbietet. Gleichzeitig betreibt der Verein Freie Scholle Nachbarschaftshilfe e.V. in jeder Siedlung einen Nachbarschaftstreff. Hier organisieren ehrenamtliche Mitarbeiter für ihre älteren Nachbarn zahlreiche Freizeit- und Begegnungsangebote. Sie schaffen soziale Teilhabe, wenn Familien aus beruflichen Gründen oftmals auseinander gerissen sind. Die Suche nach einer „Ersatzfamilie“ in einer Pflegeeinrichtung kann entfallen, wenn soziale Teilhabe stattfindet.

c)    Tages- und nachtstrukturierende Einrichtungen für Menschen mit Demenz
Pflegende Angehörige von dementen Patienten stoßen oft nach kurzer Zeit an ihre Grenzen, weil sie den hohen Ansprüchen nicht länger gewachsen sind. Eine Idee für eine Stadt wäre es, eine Stelle zu schaffen, wo man sich Hilfe holen kann, eine Art Pflegestützpunkt, die es leider nicht überall gibt.

d)    Forderung nach einem lückenlosen Ausbau von Hospizen und Palliativmedizin

e)    Pflegeheime
Oftmals sind die neurologische und fachärztliche Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner unzureichend. Demenz wird nicht immer richtig behandelt. Städte und Gemeinden können zur Prävention beraten.

Ein Wort zum Präventionsgesetz. Derzeit stapeln sich Millionen von Euro für Präventionsmaßnahmen bei den Krankenkassen. Sie werden lieber für medizinische Behandlungen ausgegeben anstatt für Prävention. Das mag daran liegen, dass Prävention nicht einfach beweisbar ist, aber eine große Vermutung, dass sie hilft, ist vorhanden. Und Prävention steigert die Lebensqualität!

Städte müssen helfen, indem sie z.B. Mehrgenerationenhäuser bauen bzw. zentrale Punkte wie Pflegestützpunkte einrichten, in denen interessensneutral beraten wird. Den älteren Menschen muss vermittelt werden, wie wichtig es ist gemeinsam etwas zu tun.

Herr Müntefering empfiehlt die drei „L´s“:

L für laufen: Derzeit sind wir eine Bewegungsverhinderungsgesellschaft durch Aufzüge, Rolltreppen etc. Aber Bewegung ernährt Beine und Gehirn, deshalb sollten Treppen als Chance genutzt werden. Tanzen ist das Allerbeste und fördert nebenbei die Koordination.

L für lernen: Neugierig bleiben und reisen, Filme anschauen oder Modenschauen oder anspruchsvolle Kurse oder die Seniorenuniversität besuchen. Denn: die kognitiven Fähigkeiten sind bis zum Tod trainierbar.

L für lachen: Sich die schönen Dinge im Leben suchen und nicht jammern.

Abschließend lautet die Botschaft von Herrn Müntefering an die Kommunen: „Organisiere Gruppen für ältere Menschen und sei hilfreich bei der Prävention!“ An die Tagungsteilnehmenden richtet er den Appell: „Machen Sie mit in Stadträten, Vereinen und Organisationen. Mischen Sie sich ein und arbeiten Sie an Konzepten für Ihre Stadt mit!“ denn immer noch gilt: „Vorsorge ist besser als heilen!"
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Ziele und Bausteine des BAGSO-Projektes zur Initiierung gesundheitsfördernder Angebote

Anne von Laufenberg-Beermann, BAGSO-Projektteam

Anne v. Laufenberg-Beermann erläutert in ihrem Beitrag die Aktivitäten des BAGSO IN FORM-Projekts.

zum Vortrag  

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CHANCEN UND IDEEN FÜR DIE GESTALTUNG DER GESUNDHEITSWELTEN ÄLTERER MENSCHEN

Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe 1: Gesundheitsförderung älterer Menschen auf kommunaler Ebene

Moderatorin: Anne v. Laufenberg-Beermann, BAGSO-Projektteam

Einführung

Referentin: Christine Jacobi-Becker, Amt für Familien, Bildung und Sport, Ingelheim

zum Vortrag von Frau Jacobi-Becker

Arbeitsergebnisse

Arbeitsgruppe 2: Bewegungsangebote für Körper und Geist

Moderatorin: Gabriele Mertens-Zündorf, BAGSO-Projektteam

Vorstellung des Programms der Arbeitsgruppe

Referentin: Dr. Heinke Michels, Deutscher Turner-Bund e.V.

zum Vortrag von Frau Dr. Michels

Arbeitsergebnisse

Arbeitsgruppe 3: Angebote zur ausgewogenen Ernährung und ausreichenden Bewegung für ältere Menschen schaffen - Akteure qualifizieren

Moderatorin: Claudia Koch, pro regio

Referentin: Ernestine Graf, Outlaw gGmbH, Quartiersentwicklerin "altengerechte Quartiere NRW"

Arbeitsergebnisse
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Zum ABSCHLUSS DER TAGUNG präsentierten die Teilnehmenden der Arbeitsgruppen im Plenum ihre Herzenswünsche für die Gesundheitsförderung älterer Menschen.

Arbeitsgruppe 1: Gesundheitsförderung älterer Menschen auf kommunaler Ebene

Fähigkeiten der Zielgruppen nutzen!

Schlüsselpersonen / Multiplikatoren identifizieren!

Koordinator / Kümmerer bestellen!

BUNDES-Senioren Teilhabe Gesetz ist wünschenswert!

Positives Altersbild, Empathie, Wertschätzung, Zeit, Geduld, Zuhören, Menschenliebe, Interesse,  
   Vertrauen = soziale Kompetenz!

Gemeinsam statt einsam!

Arbeitsgruppe 2: Bewegungsangebote für Körper und Geist

Der persönliche Kontakt zu älteren Menschen aus schwierig erreichbaren Zielgruppen muss aufgebaut
   und Vertrauen geschaffen werden!

Mobilität ermöglichen!

Akteure vernetzen und Kooperationen aufbauen!

Senioren fordern aber weder unter- noch überfordern!

Eine Grundqualifikation sollte bei Übungsleiterinnen und –leitern vorhanden sein!

Ein „Nein“ akzeptieren!

Arbeitsgruppe 3: Angebote zur ausgewogenen Ernährung und ausreichenden Bewegung für ältere Menschen schaffen - Akteure qualifiziere

Kontakt zu allen Institutionen, die für ältere Menschen kochen (Seniorenheime etc.)!

Schulung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbieten!

Finanzen und Räume bereitstellen als kommunale Aufgabe!

Kassen mögen einfachere Antragsverfahren einführen!

Einfache Akquise für Ehrenamtsschulungen!

Leitfaden, wie man Ehrenamtliche findet!

Transparenz der Angebote je Bundesland herstellen!

Zu den Menschen gehen mit ungewöhnlichen Methoden an öffentlichen Treffpunkten!

 

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